Was ist ein Listicle?

Listi­cle: War­um das Ar­ti­kel­for­mat so er­folg­reich ist & was man be­ach­ten sollte

Das Listi­cle ist wahr­schein­lich mein liebs­tes For­mat für Blog­ar­ti­kel. Und nicht nur meins: Das In­ter­net liebt Listi­cles. Und da­für gibt es gu­te Gründe.

In­halt die­ses Artikels

Aber al­les der Rei­he nach. Erst­mal: Was ist ein Listi­cle über­haupt? Listi­cle ist ein Kof­fer­wort aus „list“ und „article“. Es han­delt sich da­bei al­so um ei­nen Ar­ti­kel in Lis­ten­form. Das „Lis­ti­ge“ dar­an sind die num­me­rier­ten Zwi­schen­über­schrif­ten, der Ar­ti­kel-Part hin­ge­gen er­gibt sich aus den Aus­füh­run­gen als Fließ­text un­ter den Zwischenüberschriften.

Zu ver­wir­rend? Hier ein paar Bei­spie­le für das Format:

Was be­ob­ach­ten wir? Listi­cles ha­ben meis­tens ei­ne Zahl im Ti­tel. Im Ar­ti­kel selbst wer­den die­se 4 Din­ge, 15 sinn­vol­len Auf­ga­ben und 7 Zoom-Feh­ler dann auf­ge­lis­tet und mit je­weils zwei, drei Ab­sät­zen er­klärt. Lis­te + Ar­ti­kel also.

Es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, die Lis­ten­ele­men­te zu ordnen:

  • nach Rang
  • the­ma­tisch
  • per Zu­fall

Man­che se­hen auch rei­ne Lis­ten oh­ne wei­te­re Aus­füh­rung (oder sol­che, wo nach je­dem Punkt ein pas­sen­des GIF folgt) als Listi­cles. Das hal­te ich für falsch. Wo kein zu­sam­men­hän­gen­der Satz, da kein Ar­ti­kel. So­was heißt ei­gent­lich Char­ti­cles und ist das, wo­für Buz­z­feed be­rühmt-be­rüch­tigt wur­de (Bei­trä­ge à la „17 Fra­gen, die Schüler*innen im Se­xu­al­kun­de­un­ter­richt ge­stellt ha­ben und mir et­was Sor­gen ma­chen“).

Vor­tei­le von Listicles

War­um steht das In­ter­net jetzt so auf Listi­cles? Zum ei­nen ist die­ses For­mat wahn­sin­nig fle­xi­bel. Man kann es fast über­all ver­wen­den – in je­der Bran­che, bei seich­ten wie bei erns­ten The­men, so­gar für die Ver­mitt­lung von Nach­rich­ten oder der Auf­be­rei­tung von Forschungsergebnissen.

Zum an­de­ren sind Lis­ten ide­al fürs Le­sen im In­ter­net. Denn am Computer‑, Ta­blet- oder Smart­pho­ne-Bild­schirm zu le­sen ist deut­lich an­stren­gen­der als auf Pa­pier. Des­halb ist es wich­tig, mehr Weiß­raum und Struk­tur in Tex­te zu be­kom­men – durch kür­ze­re Ab­sät­ze, Zwi­schen­über­schrif­ten und an­de­ren For­ma­tie­run­gen. An ih­nen kön­nen sich Leser*innen ent­lang­han­geln und wer­den so nicht von lan­gen Tex­ten erschlagen.

Und Goog­le mag die sich dar­aus er­ge­ben­de Struk­tur eben­falls. Listi­cles sind al­so auch aus SEO-Ge­sichts­punk­ten empfehlenswert.

Listi­cles sor­gen von Na­tur aus für Über­sicht­lich­keit. So kön­nen Leser*innen die In­hal­te qua­si ‚sna­cken‘: Sie müs­sen sie nicht am Stück le­sen. Sie kön­nen nur die Über­schrif­ten scan­nen und sich bei In­ter­es­se den je­wei­li­gen Fließ­text durch­le­sen. Oder sie kon­su­mie­ren mit Un­ter­bre­chun­gen– et­wa bei Pen­deln, wenn die Hal­te­stel­le vor En­de des Ar­ti­kels er­reicht ist. Man muss sich nur mer­ken, wo man auf­ge­hört hat. Und das ist bei Lis­ten viel ein­fa­cher als bei ei­nem Fließtext.

Und dann ist da noch die Tat­sa­che, dass Listi­cles das Le­ben der Autor*innen ein­fa­cher macht. Durch die von den Lis­ten­punk­ten vor­ge­ge­be­ne Struk­tur fällt das Schrei­ben leich­ter. Ei­ne Glie­de­rung ist die Grund­vor­aus­set­zung von gu­ten Blog­ar­ti­keln. Bei Listi­cles ist sie durch die Lis­ten­punk­te au­to­ma­tisch gegeben.

Au­ßer­dem fällt das For­mu­lie­ren von Über­lei­tun­gen weg. Satt über­le­gen zu müs­sen, wie man den Bo­gen zum nächs­ten Aspekt schlägt, führt man ein­fach die nächs­te Zwi­schen­über­schrift auf. Der fol­gen­de Punkt muss nicht zwin­gend in Zu­sam­men­hang mit dem vor­he­ri­gen ge­bracht wer­den. Man kann sich al­so voll und ganz auf den In­halt kon­zen­trie­ren und muss sich we­ni­ger Ge­dan­ken um das gro­ße Gan­ze machen.

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Kri­tik an Listicles

Trotz der Be­liebt­heit von Listi­cles man­gelt es auch nicht an Kri­tik am For­mat. Ober­fläch­lich und stumpf­sin­nig sei es, sa­gen ei­ni­ge. Auch hier gilt die Schel­te ei­gent­lich den Buz­z­feed-Char­ti­cles mit ih­ren „lus­ti­gen“ Gifs, nicht dem Listenartikel.

Zu ur­tei­len, Listi­cles sei­en ober­fläch­lich, ist wie zu be­haup­ten, im Fern­se­hen kom­me nur Schrott. Es macht ei­nen Un­ter­schied, ob man RTL II schaut oder ARTE. So ist es bei Listi­cles auch. Das For­mat an sich sagt nichts über die Qua­li­tät des In­halts aus.

Ei­ne Kri­tik, die ich al­ler­dings be­rech­tig fin­de, ist der Über­fluss die­ser Art von Blog­bei­trä­gen. Manch­mal rol­le ich mit den Au­gen, wenn mir mal wie­der 5 fa­ta­len Feh­ler, ich un­be­dingt ver­mei­den soll und 3 Din­ge, die ga­ran­tiert Er­folg brin­gen, ver­spro­chen wer­den. Aber ei­gent­lich sind es die­se „Power­wör­ter“ (würg), wie „fa­tal“, „un­be­dingt“ und „ga­ran­tiert“, an de­nen ich mich reibe.

Die Psy­cho­lo­gie von Listicles

Und den­noch kli­cke auch ich auf sol­che Head­lines. Denn sie sind Teil des Er­folgs­ge­heim­nis von Listi­cles. Sie ma­chen neu­gie­rig. „Was sind denn nun die­se fünf Din­ge? Es sind ja nur fünf, das kann ich mir ja mal schnell durch­le­sen.“ In­dem ich von Vorn­her­ein weiß, was mich er­war­tet (zu­min­dest quan­ti­ta­tiv), sinkt die Hür­de zu klicken.

Mit Listi­cles wis­sen Leser*innen ge­nau, was sie be­kom­men. Sie müs­sen sich nicht durch hun­der­te von Wor­ten quä­len. Die Über­schrift sagt ih­nen, wor­um es geht. Wenn sie sich ent­schei­den, das wis­sen zu wol­len, müs­sen sie sich nach dem Klick nur die Zwi­schen­über­schrif­ten an­se­hen und kön­nen so ent­schei­den, ob der Ar­ti­kel ih­re Zeit wert ist. Und selbst, wenn sie den Fließ­text nicht le­sen, ha­ben sie ei­nen Er­kennt­nis­ge­winn. Das In­ter­net hat uns schließ­lich al­le fau­ler ge­macht als un­se­re Vorfahren. 

Listi­cles zei­gen: In­for­ma­ti­on muss nicht an­stren­gend sein. Auch wenn ich schon sie­ben ver­schie­de­ne Ar­ten ken­ne, kli­cke ich doch fix den Ar­ti­kel „10 We­ge, ei­ne Fla­sche oh­ne Fla­schen­öff­ner zu öff­nen“, um die drei an­de­ren zu erfahren.

Wor­auf man beim Er­stel­len von Listi­cles ach­ten sollte

Wir wis­sen jetzt, was Listi­cles so er­folg­reich macht. Und dar­aus kön­nen wir ab­lei­ten, wie wir er­folg­rei­che Lis­ten­ar­ti­kel erstellen.

  1. Kei­ne über­flüs­si­gen Punk­te auflisten

Hört sich „10 idio­ten­si­che­re We­ge, wie dir dein Freund noch die­ses Jahr ei­nen An­trag macht“ bes­ser an als 9? Ja, ir­gend­wie schon. Wir ste­hen halt auf run­de Zah­len. Aber wenn es nur 9 We­ge gibt, dann soll das Listi­cle auch nur 9 Punk­te haben.

  1. Kon­sis­tent Qua­li­tät liefern

Listi­cles schwä­cheln zum En­de hin oft. Sie fan­gen mit ei­nem Ar­gu­men­ta­ti­ons­feu­er­werk an, aber bei den Punk­ten 12 bis 15 ist ir­gend­wie die Luft raus. Was lernt man als Au­torin dar­aus? Dass es wahr­schein­lich nur 11 Punk­te hät­ten sein sol­len. Oder dass man nach Punkt 11 ei­ne Schreib­pau­se ein­le­gen, or­dent­lich zu Mit­tag­essen und an­schlie­ßend wei­ter­schrei­ben hät­te sollen. 

  1. Auf die rich­ti­ge Num­me­rie­rung achten

Fünf We­ge, in ei­nem Mo­nat sei­nen Um­satz zu ver­dop­peln, ver­spre­chen, aber nur vier lie­fern, ist doof. Das soll­te klar sein. Und am bes­ten schaut man vor der Ver­öf­fent­li­chung noch­mal, ob man auch rich­tig durch­num­me­riert hat. Ir­gend­je­man­dem fällt es näm­lich ga­ran­tiert auf und die­se Per­son wird mit ih­rer Hä­me nicht zu­rück­hal­ten. Wir re­den hier ja schließ­lich über das Internet.

  1. Den Ar­ti­kel abschließen

Das Listi­cle mit dem letz­ten Punkt zu be­en­den, ist un­schön. Am En­de soll­te ein Ab­bin­der fol­gen, ei­ne Zu­sam­men­fas­sung, ei­ne Schluss­fol­ge­rung, was auch im­mer. Die Leser*innen soll­ten nicht ein­fach so ent­las­sen werden.

  1. Listi­cles sind kei­ne Recht­fer­ti­gung für schlech­ten Content

Es ist aus den oben an­ge­führ­ten Grün­den ein­fa­cher, ein Listi­cle zu schrei­ben als ei­nen kon­ven­tio­nel­len Ar­ti­kel. Aber das darf kein Grund für schlech­ten Con­tent sein, à la „Ach komm, ich denk mir ein paar Punk­te aus und schus­te­re für je­den zwei, drei Sät­ze zu­sam­men.“ Der In­halt muss wert­voll sein, sonst wird der Bei­trag nicht er­folg­reich. Gibt es kei­nen wert­vol­len In­halt, dann soll­te man die Tas­ta­tur von vorn­her­ein ru­hen lassen.

Fa­zit

Al­lei­ne das Wort „Listi­cle“ deu­ten schon an: „Hey, das hier ist nicht an­stren­gend.“ Das Ge­gen­teil ei­nes Spie­gel-Leit­ar­ti­kels qua­si. Listi­cles brin­gen Traf­fic, weil Leu­te neu­gie­rig und faul sind.

PS: Ja, ich hät­te die­sen Ar­ti­kel na­tür­lich in Lis­ten­form er­stel­len kön­nen. Aber ich fand’s zu offensichtlich.

Fo­to von Ira Huz auf Unsplash

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. So ein tol­ler Blog­ar­ti­kel. Wie­der was ge­lernt. Und dass er kein „Listi­cle“ ist, hab ich tat­säch­lich erst in dei­nem let­zen Satz gemerkt. 😂

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