Wie lang soll­te ein Blog­ar­ti­kel sein?

Wie lang sollte ein Blogartikel sein?

„Wie vie­le Sei­ten sol­len wir un­ge­fähr schrei­ben?“, hieß es von mei­nen Schul­ka­me­ra­den frü­her vor je­der Deutsch­klau­sur. Die­se Fra­ge er­in­nert mich sehr an ei­ne, die mir von Kun­den und Neu­blog­ge­rin­nen oft ge­stellt wird: „Wie lan­ge soll­te ein Blog­ar­ti­kel sein?“

Ein paar mei­ner Stan­dard­ant­wor­ten dar­auf lau­ten:

  • Es kommt dar­auf an.
  • Wie lan­ge fin­den Sie, dass Ihr Blog­ar­ti­kel sein soll­te?
  • Min­des­tens 300 Wor­te.

Die Sor­ge, Blog­bei­trä­ge zu schrei­ben, die zu kurz oder nicht lang ge­nug sind, kommt ver­mut­lich von den wi­der­sprüch­li­chen In­for­ma­tio­nen, die über On­line-Tex­te ver­brei­tet wer­den.

Grund­sätz­li­ches zu Tex­ten im In­ter­net

Ei­ner­seits heißt es, Men­schen le­sen on­line nicht ger­ne lan­ge Tex­te. An­de­rer­seits gel­ten el­len­lan­ge Blog­posts als Er­folgs­re­zept, um bei Goog­le auf Sei­te 1 zu lan­den. Man muss nicht Hul­da Her­manns­dót­tir sein, um zu mer­ken, dass da was nicht zu­sam­men­passt.

Le­sen im In­ter­net

Le­sen In­ter­ne­tu­ser un­gern lan­ge Tex­te? Das kann man so pau­schal nicht sa­gen. Was wir wis­sen ist, dass Men­schen im In­ter­net an­ders le­sen, weil es für das mensch­li­che Au­ge an­stren­gen­der ist, ei­nen Text auf ei­nem Bild­schirm auf­zu­neh­men als auf ei­nem Blatt Pa­pier.

Des­halb über­flie­gen User On­line-Tex­te eher, le­sen hier ein biss­chen und dort ein we­nig. Aber sie star­ten nicht links oben und le­sen bis rechts un­ten al­les durch, wie sie es bei ei­nem Ro­man tun.

Das be­deu­tet aber nicht, dass auf Web­sites kei­ne lan­gen Tex­te zu fin­den sein soll­ten. Zwar wird nicht je­des Wort ge­le­sen, aber nach In­for­ma­tio­nen wird den­noch ge­sucht.

SEO und die Län­ge von Blog­bei­trä­gen

Und dann wie­der­um ist da die Tat­sa­che, dass Goog­le lan­gen Con­tent mag.

Ten­den­zi­ell wer­den aus­führ­li­che Bei­trä­ge von der Such­ma­schi­nen bes­ser be­wer­tet als kür­ze­re. Sie be­lohnt al­so lan­ge In­hal­te mit ei­nem bes­se­ren Ran­king.

Goog­le macht kei­ne An­ga­ben, wie lan­ge ein Blog­ar­ti­kel sein soll­te. Es gibt aber Stu­di­en, die her­aus­ge­fun­den ha­ben, dass Bei­trä­ge zwi­schen drei und zehn Tau­send Wor­ten am bes­ten ran­ken. Die idea­le Län­ge von Blog­ar­ti­keln be­trägt dem­nach min­des­tens 2 000 Wor­te.

(War­um nicht gleich Krieg und Frie­den le­sen? Mal ehr­lich, wer hat wirk­lich so viel In­ter­es­san­tes zu er­zäh­len?)

Das Wor­d­Press-Plug-in Yoast SEO will min­des­tens 300 Wor­te pro Sei­te se­hen, be­vor es ei­nem Text ein grü­nes Licht gibt. Die Be­trei­ber sa­gen aber auch, dass Posts mit mehr als 1 000 Wör­tern ei­ne hö­he­re Wahr­schein­lich­keit ha­ben, hö­her zu ran­ken. Da­für müss­ten sie aber auch gut ge­schrie­ben sein, al­so in­ter­es­sant, mit für die Le­ser wert­vol­len In­for­ma­tio­nen ge­spickt. Für nicht-pro­fes­sio­nel­le Schrei­ber­lin­ge wer­den 700 bis 800 Wor­te emp­foh­len.

Yoast SEO möch­te min­des­tens 300 Wor­te se­hen

Tat­sa­che ist, dass der Goog­le-Craw­ler mehr Da­ten zum Aus­wer­ten hat, um­so län­ger ein Ar­ti­kel ist. Mehr Kon­text hilft ihm, bes­ser zu ver­ste­hen. Und um­so län­ger der Text, des­to öf­ter kann man na­tür­lich das Key­word (un­auf­dring­lich!) in den Text ein­bau­en.

Die Län­ge ei­nes Blog­bei­trags ist se­kun­där

Es scheint, als ob die Län­ge eins Blog­bei­trags wirk­lich ent­schei­dend ist für sei­nen Er­folg. Aber der Ein­druck trügt.

Wenn man mal ei­ne so­ge­nann­te SERP-Ana­ly­se für ein Key­word macht (al­so sich die ers­te Sei­te der Such­ergeb­nis­se bei Goog­le an­schaut), sieht man da zwi­schen lan­gen Er­güs­sen auch recht häu­fig ziem­lich kur­ze Tex­te.

Die Län­ge ist al­so nicht al­les. (Das ist si­cher auch für männ­li­che Blog­ger be­ru­hi­gend zu hö­ren.)

Statt ei­ne will­kür­li­che Ant­wort auf „Wie lan­ge soll­te ein Blog­ar­ti­kel sein?“ zu su­chen, soll­te man sich vor dem Schrei­ben fol­gen­de Fra­gen durch den Kopf ge­hen las­sen:

  • Wel­che In­for­ma­tio­nen möch­te ich mit die­sem Blog­post ver­mit­teln?
  • Was ist die Kern­aus­sa­ge mei­nes Tex­tes (der so­ge­nann­te Kü­chen­zu­ruf)?
  • Wie bie­te ich mei­nen Leser*innen Mehr­wert?
  • Wel­che Aspek­te müs­sen un­be­dingt in mei­nem Text vor­kom­men?
  • Wel­chen kann ich ge­ge­be­nen­falls ei­ge­ne Ar­ti­kel wid­men?
  • Wel­ches Ziel ver­folgt der Bei­trag?

Viel wich­ti­ger als die Län­ge ei­nes Blog­bei­trags sind In­halt, Les­bar­keit und Mehr­wert. Er muss die Ant­wort oder In­for­ma­ti­on be­inhal­ten, die der Le­ser oder die Le­se­rin sucht. Wenn sie ei­nen Post mit 1 200 Wor­ten fin­den, aber dar­in nicht die ge­wünsch­ten In­for­ma­tio­nen, hilft ih­nen das näm­lich auch nicht wei­ter.

Ein Bei­trag, der le­dig­lich die De­fi­ni­ti­on ei­nes Fach­be­griffs lie­fert, muss nicht 800 Wor­te lang sein (auch hier kommt es na­tür­lich dar­auf an). Für ein kom­ple­xes The­ma mit vie­len ver­schie­de­nen Aspek­ten (Edu­ca­tio­nal Con­tent zum Bei­spiel) braucht es hin­ge­gen ein paar mehr Sät­ze.

Mein Stil: Nicht lan­ge schwa­feln

Die Län­ge ei­nes Blog­bei­trags ist zu­dem ei­ne Ge­schmacks­fra­ge.

Mei­ne Tex­te wa­ren schon im­mer eher knapp als aus­la­dend. „Komm‘ zum Punkt!“, möch­te ich vie­len Blogger*innen zu­ru­fen, wenn sie mir erst fünft Ab­sät­ze Ein­lei­tung oh­ne In­for­ma­ti­ons­ge­halt auf­ti­schen. „Zeit ist Geld!“, wie On­kel Da­go­bert zu sa­gen pflegt.

Wenn ich Blog­bei­trä­ge für Auftraggeber*innen schrei­be, sind die­se zwi­schen 800 bis 1 000 Wor­ten an. Das ist lan­ge ge­nug, um al­le SEO-Vor­aus­set­zun­gen gut er­fül­len zu kön­nen, lässt aber gleich­zei­tig aus­rei­chend Spiel­raum, um je nach The­ma et­was mehr oder we­ni­ger zu schrei­ben.

Die­ser Blog­post ist üb­ri­gens 741 Wor­te lang.


Wie geht es Ih­nen, le­sen Sie lie­ber aus­führ­li­che oder kom­pak­te Blog­bei­trä­ge?

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Konrad

    Ich ge­be dir voll­kom­men recht. WIe so oft im Le­ben lau­tet die Ant­wort ju­ris­tisch kor­rekt: „Es kommt ganz dar­auf an.“ Ich glau­be al­ler­dings, dass vie­le die Dis­kus­si­on um die per­fek­te Text­län­ge gern füh­ren, weil es sehr ein­fach mess­bar ist, ge­ra­de wenn es um SEO geht. Die Flos­kel „Con­tent muss dem Nut­zer Mehr­wert bie­ten“ wird lei­der nur sel­ten wirk­lich mit In­halt ge­füllt bzw. es ist we­sent­lich schwie­ri­ger sich da­mit aus­ein­an­der­zu­set­zen, als Wör­ter zu zäh­len.:) Die von dir auf­ge­zähl­ten Fra­gen sind in mei­nen Au­gen we­sent­lich wich­ti­ger als bei Yoast-SEO ein grü­nes Licht zu er­rei­chen.:) Ähn­lich ken­ne ich es aus dem SEO-Be­reich mit der Über­schrif­ten­dis­kus­si­on. Ei­ne sau­be­re Über­schrif­ten­hier­ar­chie wird man­cher­orts als der Hei­li­ge Gral der Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung ver­kauft. Nützt aber nichts, wenn der Nut­zer sich von H1 bis zur H6 han­geln kann, zwi­schen­drin aber nichts von Wert steht.:)
    Grü­ße aus dem Nor­den
    Kon­rad

    1. Julia Wißmeier

      Hal­lo, Kon­rad,
      das ist ei­ne gu­te Be­ob­ach­tung von dir. Ei­ne Zahl ist et­was Kon­kre­tes, Mehr­wert ist In­ter­pre­ta­ti­ons­sa­che. Ei­ne Vor­ga­be zur Län­ge gibt Si­cher­heit: „Wenn ich x Wor­te schrei­be, kann ich nichts falsch ma­chen.“

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